23. Mai 2018

Viel Pathos um den Heldenring

Einer der neuen Spielfilme, die im Jubiläumsjahr 2018 in Lettland in die Kinos kommt, ist "Der Ring des Namejs" von Regisseur Aigars Grauba. Es geht hier um die "Semgaller" (lett. Zemgale), der südliche Teil des heutigen Lettland. Zwar mögen manche die Semgaller eher als "nördlicher Stamm der Litauer" bezeichnen - das wird aber sicherlich auf den Widerspruch der Menschen aus dieser Gegend stoßen. Jedenfalls geht es um eine Zeit, als es noch nicht "die Letten" gab, sondern viele kleine Stämme und Lebensweisen. Und es gab die Kreuzritter, die Anfang des 13. Jahrhunderts nach Lettland einfielen - und die "missionieren" wollten, die angetroffenen Einheimischen möglichst christlich taufen, und zu Verbündeten bzw. Untergebenen machen wollten.

Niemand weiss mehr genau zu sagen, warum ein bestimmter aus dieser Zeit stammende Ring zu den bekanntesten archäologischen Fundstücken in Lettland wurde: das typischem Flechtwerk auf der Oberseite und die eingezogenen Drähte sind sein Kennzeichen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als "Ring des Namejs" (oder auch: Nameisis / Nameise / Nameyxe) bekannt. Namejs als einger der Anführer der Semgallen - das ist mehrfach historisch belegt - es gab ihn also wirklich; er schlug Ende des 13. Jahrhunderts, zusammen mit litauischen Verbündeten, ein paar erfolgreiche Schlachten gegen die Kreuzritter (siehe: Schlacht bei Aizkraukle).
Es waren ja auch tatsächliche archäologische Fundstücke: zum Beispiel am Burgberg von Daugmale (Grabungen in den 1930iger Jahren). Damals fand man heraus, dass dieser Ring nicht nur einfach gegossen, sondern mit feinen Silberdrähten verflochten war - also das Meisterstück eines guten Handwerkers war. Die Ringe wurden so bekannt und beliebt, dass viele von ihnen sogar aus den wissenschaftlichen Instituten heraus, bald nach den Ausgrabungen, gestohlen wurden.

"Namejs" als Theaterspektakel - nach der Romanvorlage in den
1930iger Jahren auf lettischen Bühnen (Abb. "Jauna Gaita")
Es heißt auch: Letten in aller Welt erkennen sich gegenseitig am Namejs-Ring! Der Vater oder der Großvater schenkt ihn dem Sohn oder Enkel, wenn er auf dem Wege ist erwachsen zu werden. Ein Geschenk, um es nicht mehr vom Finger abzulösen. Eine der (vorläufig) letzten Motive auf dem lettischen Lats (2014 vom Euro abgelöst) war genau dieser Ring.

Archäologin Zenta Broka-Lāce weist allerdings auch darauf hin, dass der Namejs-Ring eigentlich nicht aus Semgallen stammt, nicht einmal von Daugmale. Er wurde nach Vorbildern aus Latgale gefertigt, dem heutige Osten Lettlands. Der erste "Namejs-Ring" kann schon deshalb nicht in Daugmale gefertigt worden sein, da Daugmale als zentraler Platz Semgallens zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert diente, die bei Daugmale gefundenen Ringe aber einer wesentlich späteren Phase entstammten, und zudem der Ort im 13. Jahrhundert nicht mehr besiedelt war (zur Zeit des Namejs). "Die Legenden um den Namejs-Ring wurde in den 1930iger Jahren aus eher politisch-ideologischen Gründen geschaffen, nicht auf wissenschaftlicher Basis", meint Broka-Lāce.

Filmplakat "Nameja gredzens"
Diese Legende wurde vor allem durch den Schriftstller Aleksandrs (eigentlich: Jēkabs) Grīns begründet, der 1918 Fragmente eines Romans „Ring des Namejs” publizierte.Dieser Roman wurde so populär, dass die lettischen Leserinnen und Leser nun fast mehr die Romanhandlung für Tatsache hielten als Aussagen von Historikern. Besonders nach dem 15.Mai 1934, als Präsident Ulmanis (der aus Semgallen stammte!) die Parteien verbot und sich selbst zum autoritären Herrscher (lett. vadonis = Führer) ernannte, wurde die Legende vom unbesiegbaren Helden aus Semgallen noch populärer.
Die Wirkung der Theaterfassung des "Namejs"-Romans, die 1935 Voldemārs Zenbergs ("Sauleskalns")  auf die Bühne brachte, beleuchtete 1973 die lettische Exilzeitschrift "Jauna Gaita" ausführlich; eine pompöse Aufführung mit 81 Schauspielern auf der Bühne und patriotisch aufgeblähten Texte, die auch von "Führern und Rettern des ganzen lettischen Stammes" schwärmte.

Wie dem auch sei - mit etwas weniger Pathos trägt ein Lette heute diesen Ring, um zu zeigen dass er Lette ist. Die lettische Hardrockband Skyforger widmete dem legendären Helden einen Song (Virsaitis Nameisis). Ein wenig eigenes Selbstbewußtsein muss eben zur Definition einer lettischen Identität sein - solange es nicht herabsetzend gegenüber Menschen anderer Herkunft gemeint ist, muss man es ihnen wohl lassen.
Die Legende von "König Namejs" - hier eingesetzt
für die lettischen Tourismuswerbung
Inzwischen ist der Namejs-Ring ja schon nicht mehr nur ein Symbol für vermeintliche historische Helden, sondern für alle Wechselbäder durch die Lettinnen und Letten im 20. Jahrhundert gehen mussten. Bis in die 80iger Jahre hinein durfte der Namejs-Ring in Sowjet-Lettland nicht verkauft werden - wer gute Beziehungen zu einem Schmuckhersteller hatte, bestellte ihn "privat". Wenn heute dieser Ring in den lettischen Touristenläden schon beinahe als Massenware angeboten wird - aus Sicht von Lettinnen und Letten bleibt, wenn schon nicht all die schönen Heldengeschichten, dann doch wenigstens der Ring etwas sehr Besonderes. Daher ist klar, dass auch der neue Kinofilm (engl. Titel "The Pagan King") in Lettland guten Zuschauerzuspruch haben wird.

Wer sich als Gast in Lettland ein klein wenig wie ein zemgallischer König fühlen möchte, der kann in Koknese eine Ausfahrt mit dem Boot "König Nameitis" buchen - für 8 Euro pro Person (Info). Wer sich aber als Souvenir einen entsprechenden Ring kauft, oder vielleicht geschenkt bekommt, wird sich vielleicht spätestens dann für die Mythen um den Ring des "Heidenkönigs" näher interessieren.

17. Mai 2018

Letzte Bühne

Wenn in der ersten Juliwoche 2018 das Allgemeine Lettische Sängerfest (zum 26.mal) und das Lettische Tanzfest (zum 16.mal) stattfindet, wird das Programm teilweise mitten in große Umbauarbeiten eingebettet. Die gesamte Anlage im "Mežaparks" (Waldpark) in Riga wird bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2021 in zwei Schritten erweitert und teilweise völlig erneuert - Schritt eins wird vor dem diesjährigen Sängerfest abgeschlossen, Schritt zwei wird dann folgen. Vor allem eines wird sich dann für die nächsten kulturellen Großereignisse ändern: die Tribüne, von der aus Sängerinnen und Sänger bisher sich aufgestellt und ihre Lieder dargeboten hatten, wird völlig abgebaut und neu erstellt.

Bis 2021 werden die Änderungen dann so aussehen:
- mit 30.000 Sitzplätzen werden es 8.000 mehr als bisher sein
- die neue Bühne wird Platz für 11.000 Menschen bieten, 5300 mehr als bisher (bei Sängerfesten sogar für bis zu 14.000 Personen)
- bei Veranstaltungen ohne Sitzplätze wird es Platz für 70.000 Menschen geben, 25.000 mehr als bisher
Vor und nach den Sängerfest-
Feierlichkeiten: vor allem Bauarbeiten
- neue Toilettenanlagen, bessere Anfahrtswege, klar ausgewiesene unterirdische Bereiche für Händler strukturieren den Servicebereich völlig neu
- es wird einen unterirdischen Bereich geben, der auch im Winter nutzbar sein wird als Konferenz- und Ausstellungsraum

Beim Bau des neuen lettischen Gesangstempels helfen übrigens auch Akustikexperten aus Deutschland mit -  der "Müller BBM GmbH" aus Hamburg, die einige Jahre zuvor auch bereits beim Bau der neuen Konzerthalle in Liepāja (Lielais Dzintars) dabei waren. Andris Zabrauskis, als Dozent der Technischen Universität Riga ebenfalls auf Akustik spezialisiert und das Projekt wissenschaftlich begleitend, schaut voraus: "Wir wollen eine der modernsten Frewileichtbühnen für Chöre in der ganzen Welt schaffen. So werden wir zum Beispiel auf dem Dach eine spezielle Membran anbringen, welche Sängerinnen und Sänger vor akustischen Einflüssen von Regen oder Wind schützen wird." (TVNet) Ein weiteres Zugeständnis an die Akustik ist es, dass die Zuschauerbänke auch in Zukunft keine Rückenlehnen haben werden.

Der lettische Architekt Austris Mailītis präsentiert
seinen Bühnenentwurf: "einen gläsernen Hügel ersteigen"
Im Jahr 1873 waren es 1003 Sängerinnen und Sänger, die sich zum ersten Lettischen Sängerfest trafen. In Riga fanden die ersten Sängerfeste im früheren "Kaisergarten" (Ķeizardārzs) statt (heute "Viesturdārzs), der 1973, zum 100.Jubiläum, auch schon mal "Sängerfestpark" hieß. 1955 wurde die Große Bühne (Liela estrāde) im Mežaparks fertig gestellt. Vorgesehen war die Bühne damals für 7000 Sänger/innen, oder 100 Tanzpaare, dazu 35.000 Zuschauern (die vielfach ja auch zu Mitsänger/innen werden - wer es je live erlebt hat).

Das 2007 aus einem Ideenwettbewerb hervorgegangene Restaurierungsprojekt der beiden Architekten Juris Poga und Austris Mailītis "Sidraba birzs stikla kalnā" (Silberhain auf dem gläsernen Berg) bezieht sich in seinem Titel auf lettische Volkssagen, und soll auch die Hoffnung ausdrücken, die neue Anlage möge im Einlang mit der Natur der Umgebung stehen. Wie Blätter eines Waldes möge die Bühne die SängerInnen umgeben, so drückt es der erst 33 Jahre alte Mailītis aus, dessen steile Karriere auch die lettische Presse verwundert (Jauns.lv). Interessant auch, dass er sich von "Apeirons" beraten ließ, einer lettischen NGO die sich für Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen einsetzt (delfi.lv).

Die Finanzierung des Projektes war auf 45 Millionen Euro geschätzt worden (davon 18 Mill. für den ersten Bauabschnitt). Mit der Baudurchführung sind "Re&Re" und "LNK Industries" beauftragt - die nicht einmal die günstigen Baukosten versprechen mussten, denn der Rigaer Stadtrat sah den lettischen Ableger der finnisch-estnische Firma "Lemminkainen", die ebenfalls ein Angebot abgegeben hatte, als zu unerfahren für die Durchführung an (lsm). Und, wie so oft mit Baukosten, die geplanten Summen lassen sich nicht einhalten: 26,7 Millionen Euro wird wohl der erste Bauabschnitt letztendlich kosten, aber niemand möchte sich beim den Endbetrag des zweiten Abschnitts festlegen.

Sängers heilige Wandelhallen - architektonische Träume,
die in Riga erschaffen werden
Der 4.Mai 2021 wird nach dem 100.Staatsjubiläum unser nächster großer kultureller Feiertag sein - so drücken es vor allem die Bauverantwortlichen im Hinblick auf das Eröffnungsdatum aus. Allerdings wird 2023 wohl ebenfalls ein großer Feiertag sein - das 150.jährige Bestehen dieser nun als "typisch lettisch" angesehenen Sängerfeste. Einzig die zukünftigen Eintrittspreise sind noch nicht klar: war es früher mal Ehrensache, massenhaft Tickets für Freund/innen und Bekannte im voraus zu reservieren, sind die Zugangsmöglichkeiten heute knapper geworden - besonders für die "bezahlbaren" Tickets. Da bleibt die Hoffnung, dass auch in Zukunft die Teilnahme an den Sängerfestaufführungen keine elitäre Angelegenheit wird. Dennoch: heute heißt es erstmal "auf zum Großen Sängerfest!" Die Demontage der bisherigen Bühne wird bereits am 20.August 2018 beginnen.

4. Mai 2018

ARTE - Angst vor der lettischen Mehrheit

Wenn Vertreter eines ausländischen Staates beim Deutschen Bundestag vorstellig werden und sich über deutschsprachige Medien beschweren, dann muss schon Schwerwiegendes vorgefallen sein; zu denken wäre zum Beispiel an die Türkei-Satire von Jan Böhmermann, oder auch der Wirbel um die diesjährige Echo-Verleihung. Stark verzerrende, irreführende oder zumindest mißverständliche Berichte über Lettland gab im wesentlichen nur vor dem EU-Beitritt des Landes - danach pendelte sich das Image Lettlands in den deutschen Medien irgendwo ein zwischen "schönes Urlaubsland", "Geburtsland des Weihnachtsbaumes" und "Außengrenze Europas mit vielen Arbeitsmigrant/innen".

Wieviele Zuschauer nun einen Beitrag der Reihe "Reportagen und Recherchen" auf ARTE wirklich gesehen, haben, ist mir unbekannt. In der Regel liegt der Prozentsatz unter 1%. In sofern könnte man es eigentlich auch abhaken unter der Rubrik "ein Filmchen unter vielen". Die öffentliche Reaktion erfolgte ja aber auch nicht von Seiten der lettischen Regierung, sondern von der lettischen Botschaft in Berlin. Dort gibt es zwar schon seit Jahren niemand der zuständig wäre für "Kultur und Gedöns" (frei nach Ex-Kanzler Schröder), wohl aber eine gesonderte Stelle zur Presseauswertung. Der Presseauswerter hielt es also offenbar für nötig, dem Sender ARTE einen Brief (mit Sackpost?) zu schreiben, und mit diesem dann die "sozialen Medien" zu befeuern (Näheres darüber ist zu lesen nur bei Facebook und Twitter).

Allerdings fordert auch bei der lettischen Botschaft niemand, die Journalisten zu bestrafen oder zu maßregeln; das Fazit lautet lediglich: "eine traurige halbe Stunde des freien Journalismus". So sind es auch zunächst Twitter-Nutzer, die über Hintergründe des Beitrags spekulieren. Zur Person von Susanne Roser, im Film als "Autorin" ausgewiesen, lässt sich im Netz einiges an langen Diskussionen finden über andere Projekte von ihr (ohne darüber urteilen zu wollen, wer da Recht haben könnte). Angeblich habe sie den Lettland-Beitrag gemacht, nachdem sie diesbezügliche Nachrichten vom russischen Propagandasender "Sputnik" gelesen habe (siehe: Šukevičs).
Ausschnitt aus dem Brief der lettischen Botschaft an
den Sender "ARTE"

Auch der lettische öffentlich-rechtlichen Sender LSM beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Beitrags. Journalistin Sandra Valtere, schon seit Anfang der 1990iger Jahre für das ZDF als Kooperationspartner tätig und erprobt, wurde offenbar zunächst auch von der ARTE-Autorin angesprochen. Anfangs sei sie froh gewesen helfen zu können, dann aber habe sie zunehmend den Eindruck gewonnen, hier werde wohl eher ein Propaganda-Film gemacht über "Nationalisten wie sie die Russen unterdrücken". Ganze fünf Tage habe sich die Autorin in Lettland aufgehalten, und sei auch vorher nie in Lettland gewesen, erzählt Valtere. "Ich hatte den Eindruck, eine andere Quelle füttert hier entsprechend nach", sagt sie.

Am 16.4. lief der Film in der Reihe "Re:Regards", produziert von "Kobalt Kreation", dort angekündigt mit der Frage: "Kann ein friedliches Zusammenleben in Lettland funktionieren"? Antworten auf diese Frage gibt der Film nicht - im Gegenteil. Wer schon die Rahmenbedingungen des Lebens in Lettland, sowohl was den rechtlichen Rahmen wie der Verlauf von Meinungsunterschieden und Diskussionen falsch darstellt - dem müssen auch die Ideen für "friedliches Zusammenleben" misslingen. Als Redakteur zuständig: Martin Ehrmann - der immerhin auch bei dem Grimme-Preis-gekrönten Film "Flucht nach Europa" mitverantwortlich zeichnete.

Eines vorab: völlig unstrittig ist, dass sich Lettland keinen Gefallen tut, immer noch am 16. März die lettischen SS-Einheiten zu ehren - viel besser wäre es, allen zu gedenken, die zwar für sich persönlich ehrenhafte Gründe hatten sich auch mit Waffen für ihre Ziele einzusetzen, die aber von Diktatoren und Militaristen missbraucht wurden. Dass dieses Thema immer wieder Grund für kritische Berichte gibt, muss sich Lettland gefallen lassen. 

ARTE-Dokumentation mit falschem Titel: vieles, was
"russische Aktivist/innen" hier erzählen, würde besser
zu "Angst vor der lettischen Mehrheit" passen. Aber
Aufklärung über die Tatsachen leistet ARTE an
dieser Stelle nicht - unterlassene Recherche? Vorurteile?
Einen entscheidenden Fehler macht der Film aber auf jeden Fall: während Bild und Ton durchaus sehr unterschiedliche Gesprächspartner zu Wort kommen lässt, was ja erstmal ein Plus sein könnte, suggeriert der unterlegte Kommentarton, eine sachliche Zustandsbeschreibung der Lage zu geben. - Würde man diese irreführende Kommentarstimme weglassen, und nur den Inhalt der Interviews senden - könnten sich wenigstens die Zuschauer ein eigenes Bild machen. Interessante Textstellen gibt es in dieser halben Stunde genug. Da schwafelt Ex-Sowjetfunktionärin Tatjana Zdanoka unwidersprochen von einer "angeblichen Okkupation Lettlands durch die Sojwetunion", und wird an dieser Stelle nicht einmal danach befragt nach ihren Argumenten warum sie das glaubt (hat nicht etwa das Sowjetregime Schein-Wahlen 1940 mit handverlesenen Kandidaten veranstaltet, damit sich dann Lettland "freiwillig" zum Sowjet-Beitritt entschließen konnte, und diejenigen, die danach immer noch dagegen waren, nach Sibirien deportiert?).

Oder die russische Verkäuferin auf dem Großmarkt. Da wird sie von einer russischen "Aktivistin" darin bestärkt, mit ihren Kunden russisch zu reden; Fakten dazu, warum sie das etwa nicht tun sollte, werden nicht erwähnt - stattdessen die glatte Lüge, die lettische Regierung wolle das Russisch sprechen in der Öffentlichkeit ganz verbieten (keine Quellenangabe, klar!). Die "Gegenseite" repräsentiert hier nur das böse Wort von der "Sprachenpolizei" (dass diese Kontrolle aber lediglich dazu dient, in jedem Laden und an jedem Verkaufsstand mindestens eine Person zu haben, die / der Kund/innen Lettisch bedienen kann, bleibt unerwähnt). Lieber arbeitet die Autorin am Zusammenzimmern ihrer gewünschten Leitthese: früher wurden die Letten unterdrückt, heute die Russen.

im ARTE-Film als "radikal moskautreu"
vorgestellt: Tatjana Ždanoka. "In der Zeit von
Gorbatschow und Jelzin habe ich mich im
Ausland geschämt zu sagen, dass ich eine
Russin bin", sagt sie.Was sie aber von Stalin
hält, wird sie leider nicht gefragt.
Szenenwechsel. Ein Pass eines Russen wird gezeigt, der den Status eines "Nichtbürgers" hat. Kommentar: "Wenn Joseph seine Verwandte in den USA besucht, sorgt sein Pass mit dem Vermerk 'Alien' immer wieder für Aufsehen." Unerwähnt bleibt an dieser Stelle etwas anderes. Ein Wort  - deutlich zu sehen - das ebenfalls in diesem Pass zu sehen ist: Ebrejs. Ein Jude also. Die "Verwandten in den USA" machen sich hier also wohl weniger Sorgen um einen Russen, sondern um einen Juden in Lettland. Schließlich hat die Aufarbeitung des Holocausts in Lettland zwar inzwischen begonnen, aber schon die Kennzeichnung im Pass würde ja auch in Deutschland großes Aufsehen erregen. Aber immerhin kann "Joseph" ja offenbar frei reisen - in die USA, und wohl auch anderswo hin.

Nächste Szene. Eine Russin mit Kind. Eine "weitergereichte" Russin offenbar, denn schon 2015 tauchte sie als Interviewpartnerin gleich zweimal im MDR auf (siehe auch: Ostblogger). Diese "Aktivistin" (in Wahrheit: Parteipolitikerin der "Saskaņa") behauptet, unter den Russen in Lettland gäbe es nur zwei Gruppen: solche, die meinen in der Sowjetunion sei alles besser gewesen, und solche wie sie, die an die Demokratie glauben. Wow! Ein starkes Stück von Selbstbeweihräucherung - aber auch diese Aussage bleibt ohne Gegenfrage - Ausländern, die sich nicht auskennen, kann man ja mal sowas erzählen. Verwunderlich auch, dass es doch angeblich "verschiedene Gruppen" geben soll - aber am Schluß alle zusammen mit der im Film als "Hardlinerin" vorgestellten Tatjana Ždanoka an einem Tisch sitzen - deren Ausschweifungen im Film alle ohne Gegenargumente bleiben.

Zitat aus dem Film: "Als Lettland 1991 unabhängig wurde, verloren die Nachkommen ehemaliger russischer Einwanderer ihre Staatsbürgerschaft." Da müsste man doch fragen: welche Staatsbürgerschaft verloren sie? Die lettische? Verloren wurde die sowjetische. Weil das marode, diktatorische Sowjetsystem endlich, endlich zusammenbrach. Allen, die durch die sowjetische Besetzung 1940 die lettische Staatsbürgerschaft verloren, denen wurde sie auch zurückgegeben - auch gebürtigen Russen! Alle anderen müssen sich entscheiden: will ich wirklich in einem lettischen Staat leben? Einigen war das freie Reisen nach Russland zu den Verwandten wichtiger, sie beantragten den russischen Pass (und leben auch weiterhin in Lettland). Und für diejenigen, die nichts ändern wollen und dennoch in Lettland bleiben, gibt es eben den Sonderstatus "Einwohner Lettlands - Nichtbürger" - natürlich mit beruflichen Einschränkungen, denn diese Leute wollen ja bewußt kein Lettisch lernen, könnten sich also bei wichtigen Themen nicht verständigen. Falsch ist aber die Behauptung im Film, "Nicht-Bürger" seien "staatenlos". 

Und weiter im Film. Behauptet wird: 61% sprechen Lettisch, 38% Russisch. Auch dies stark irreführend! Gefragt werden müsste: wie viele sprechen Lettisch UND Russisch. Unangenehm für die Ideologen ist nämlich, dass die Lettischkenntnisse unter den Russen stark ansteigen! Besonders unter den Jugendlichen. Und auch die junge, offenbar alleinerziehende Mutter im Film könnte ihr neugeborenes Kind ja kostenlos für eine lettische Staatsbürgerschaft anmelden - auch das wird verschwiegen.

Das Erstaunlichste im Film: fürs Fernsehen tut die russische Modell-Aktivistin so, als würde sie an lettischen Folklorefesten teilnehmen. Na ja, sowas gibts auch im wirklichen Leben - und erstaunlicherweise sprechen und verstehen diese an lettischer Kultur interessierten Russen Lettisch! Anders herum sowieso. - Auch diesen Widerspruch klärt der Film nicht auf: wie kann sich ein Russe für Lettland, für Menschen, Gebräuche, Denkweise und Sprache interessieren - und dann völlig verweigern, Lettisch zu lernen?

Geradezu haarsträubend der Schlußsatz des Berichts: "Eine Politik, mit der alles Russische aus der Gesellschaft verbannt werden soll, könnte Russland erst recht provozieren. Anfang April wurden dort erste Sanktionen gegen Lettland erwogen." Wer bis hierhin nicht laut gelacht hat, wird es wohl an dieser Stelle tun. Russland droht seit 1990 nahezu ununterbrochen mit Sanktionen, und manche werden auch oft ganz ohne Begründung einfach verhängt. Bitte mal andere Quellen lesen als nur "Sputnik", liebe Redaktion.

Ein Trost bleibt: vielleicht hat ja auch die russische Botschaft wegen dieses Berichts bei ARTE protestiert - dann wäre der Bericht sicher ausgewogen.

4. April 2018

Wo kein Mensch, da kein Buch

Während manche Europa-Optimisten die Situation noch schönreden und meinen, die massenhafte Arbeitsmigration von Lettinnen und Letten in Richtung reicher EU-Länder, und die damit zusammenhängende Landflucht sei ein vorübergehendes Phänomen, sind die Folgen dieser Entwicklung dort zu spüren, wo die wenigsten wirtschaftlichen Interessen dagegen stehen: auf dem Lande. Dort, wo sowieso schon wenig Steueraufkommen die städtischen Dienstleistungen absichern konnte, steht nun alles unter Prüfzwang (auch "Spardiktat" genannt).

In vielen Landgemeinden sind es die Bibliotheken, die als Informations- und Anlaufstelle dienen. Doch als der Stadtrat von Limbaži im Dezember vergangenen Jahres beschloss, die Öffnungszeiten in 8 der insgesamt 14 Landbibliotheken der Gemeinde zu verringern - in dreien davon sogar um die Hälfte - da regte sich bald Widerstand. Schon über die genaue Summe, die durch die Sparvorschläge eingespart werden könnte, herrscht Uneinigkeit: manche beziffern diese Summe auf 8.000 Euro jährlich, andere auf 25.000-30.000 Euro.

Die Bibliotheken in den kleineren Städten und Dörfern in Lettland sind über ihre bildende Funktion hinaus vor allem auch als Informationsstelle: noch vor wenigen Jahren wurden erhebliche Mittel dafür aufgewandt, dass jede kleine Landbibliothek einige Computer zur Verfügung hat, um Interessierten den kostenfreien Zugang zum Internet zu ermöglichen - wer also keine andere private Möglichkeit hat, der hat sie zumindest hier. Auch WLAN - kabelloses Internet - ist eingerichtet worden. Im Bezirk Limbaži arbeiten 15 öffentlich zugängliche Bibliotheken, die insgesamt 99 PCs für den Internetzugang bereitstellen.

Von den Befürwortern der Einsparungen waren vor allem drei Arten von Argumenten zu lesen:
1. Die kleinen Landbibliotheken seien Überbleibsel aus der Sowjetzeit und völlig veraltet.
2. Es wohnen immer weniger Menschen auf dem Lande, daher müsse die Verwaltung Möglichkeiten der Einsparung von Ressourcen nutzen.
3. Teilweise seien die Räume der Bibliotheken schwer zugänglich, zum Beispiel Menschen mit Behinderungen oder im Rollstuhl.

 “In den vergangenen 25 Jahren haben wir schon so viel verloren," wird dagegen der lettische Schriftsteller Aivars Kļavis zitiert, dessen Bücher teilweise historische Themen aus dem Bezirk Limbaži thematisieren. "Nun gibt es wirklich rote Linien, die wir nicht überschreiten dürfen. Bibliothek gehören nicht den Staatsbeamten, sondern den Menschen. Und es sind ja auch die Bücher der lettischen Schriftsteller, die in den Landbibliotheken gesucht und gelesen werden." (LA 4.4.18, siehe auch Twitter).Die Sorge um die Bibliotheken geht auch von der Befürchtung aus, dass eine Einschränkung der Öffnungszeiten auch die schrittweise Schließung bedeuten könnte.

auch bei Google-Maps ist leicht erkennbar:
in Ārciems gibt es eine Bibliothek
Die Bibliothek Limbaži kann auf eine Tradition seit 1886 zurückschauen, als damals der Komponist Kārlis Baumanis, der selbst nahe des damaligen "Lemsal" wohnte, 300 Bücher in lettischer, russischer und deutscher Sprache aus seiner privaten Beständen spendete, um die Bücher allgemein zugänglich zu machen.

Gegenwärtig hat der Bezirk Limbaži, 87km entfernt nördlich von Riga gelegen, noch 17.500 Einwohner aufzuweisen; 7200 davon entfallen auf den Hauptort Limbaži - im Jahr 2000 waren es noch 9.200. In ganz Lettland ging die Einwohnerzahl in den vergangenen Jahren um 13% zurück (siehe Statistik); am stärksten ist der Rückgang in Latgale (21,1%), aber auch Vidzeme verlor 17,5% seiner Einwohner/innen. Der Bezirk Limbaži verlor allein in den Jahren 2005 bis 2013 12% seiner Einwohner. Die Zahl der Nutzer/innen in den Bibliotheken ging, alle Einrichtungen des Bezirk Limbaži zusammengerechnet, von 109.887 im Jahr 2015 auf 89.324 im Jahr 2017 zurück (-14,2%). Allerdings machen diese Zahlen nur 56% der Nutzungen aus - der Rest erfolgt bereits online per Internet. Einzelne Bibliotheks-Außenstellen haben eine ziemlich geringe Zahl registrierter Nutzer/innen: 69 sind es beispielsweise in Ārciems, einem kleinen Dörfchen von nicht mal 100 Einwohnern - früher einmal Haltebahnhof einer Schmalspureisenbahnstrecke. In Bīriņi, der Gemeinde mit dem 150 Jahren alten schönen Schlösschen am See - aber nur 110 Einwohnern - nutzen 59 die Bibliothek. Aber selbst diese Zahlen lassen ahnen, dass in Prozentzahlen das Bild etwas anders aussieht:  durchschnittlich nutzen 42% aller Einwohner/innen Lettlands Bibliotheken (lett. Kulturministerium). Jede/r Nutzer/in besucht statistisch durchschnittlich 15mal pro Jahr eine Bibliothek, die mittleren Ausgaben pro Nutzer/in betragen 49,55 Euro jährlich.

Die Gehälter der Bibliotheksangestellten in Limbaži wurden ab März 2018 leicht erhöht: auf monatlich 624 Euro (brutto). Dzintra Dzene, Bibliotheksleiterin in Limbaži, ist vor allem auch entsetzt über die Art und Weise, wie die Gemeinde sparen wollte:ohne eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger, oder der Bibliotheksangestellten. Aber inzwischen gibt es Unterstützung zumindest vom lettischen Kulturministerium - es sollen Gespräche geführt werden mit der Gemeinde, und auch dem lettischen Gemeindeverband (Latvijas Pašvaldību savienība LPS). Diejenigen, die in Landgemeinden wohnen, hoffen, dass es auch sie mit ihren Interessen und Bedürfnissen nicht allein gelassen werden. 

28. März 2018

In Lettland kann man offen reden

Gundars Āboliņš ist ein viel beschäftigter Mensch. Früher einmal am Dailes Theater und Jaunais Rigas Theater, seit 2015 als Schauspieler im Ensemble des Münchener Kammertheaters. Seit mehr als 10 Jahren ist Āboliņš auf vielen internationalen Theaterfestivals zu sehen, Stücke wie "Sonja" oder "Väter" (Regie in beiden hatte Alvis Hermanis) sind da beinahe schon Klassiker. Für seinen Beitrag zum lettischen Theater wurde er in Lettland vielfach ausgezeichnet. Auch in einigen Filmen ist er zu sehen, so u.a. in „Midsummer Madness“ (Regie: Alexander Hahn, 2006) oder „Die kleinen Bankräuber“ (Regie: Armands Zvirbulis, 2008).

Nun sorgt eine Schlagzeile der lettischen Zeitung "Latvijas Avize" für Aufsehen. Oder sollte man sagen: hier wird versucht einen populären Schauspieler politisch einzuspannen? "In Lettland kann man offen reden - in Deutschland eher nicht", so ist ein Interview mit Gundars Āboliņš überschrieben (LA 24.3.2018).

Ohne Zweifel ist Āboliņš ein interessanter Gesprächspartner, um nach Stimmungen und Mentalitäten zwischen Deutschland und Lettland zu fragen. Er gilt eigentlich als eher zurückhaltend, seine Aussage "ich bewerte Kollegen nach ihren professionellen Fähigkeiten, nicht nach ihrer sexuellen Orientierung" ist für lettische Verhältnisse mutig.
Seine Stücke spielt er, ganz nach Bedarf, in Lettisch, Deutsch, oder auch in Russisch. Er war außer in München auch schon in Köln, Wien und Zürich tätig. Kann Āboliņš also als "Kronzeuge" für Demokratiemängel in Deutschland gelten, wie es die erwähnte Schlagzeile andeutet?

"Wir müssen die Jugend über die sozialen Netzwerke
erreichen!" - Nachrichten und Neuigkeiten, manchmal
direkt aus der Künstlergarderobe ...
Wer das Interview genau liest, wird nur einen Punkt finden, an dem der lettische Schauspieler Kritik an "deutschen Verhältnissen" übt: die in Lettland heftig umstrittene "Instanbul-Konvention" (siehe Blogbeitrag), also die Bemühungen der EU-Länder etwas gegen häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen zu tun.Hier stimmt Āboliņš der in Lettland gern gehörten Meinung zu, die Konvention habe "mit der Eindämmung von Gewalt hat diese Konvention gar nichts zu tun." Sofort legt die "Latvijas Avize" nach: "Ist es denn sehr schlimm mit dem 'Genderismus' in Deutschland?" Hier formuliert der Schauspieler zunächst defensiv: "Ich bin ja nur Gast in Deutschland, und möchte mich in die inneren Angelegenheiten nicht einmischen." Und dann weiter: "es gibt viele Menschen, die nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben sich zu äußern. Es gibt immer eine vorherrschende Meinung, die scheinbar 'richtige', und wenn Du etwas abweichendes äußerst, dann riskierst Du als homophob, als Rassist, oder als Rechtspopulist beschimpft zu werden. Eine offene und freie Diskussion ist in Deutschland sehr erschwert, viel mehr als momentan bei uns in Lettland."

Die "Latvijas Avize" stellt Āboliņš vor als "jemand der kein Fernsehen schaut, und keine Zeitung liest, aber trotzdem weiß was los ist." Beim Blick auf seine Facebook-Seite lassen sich aber keineswegs politische Statements finden, wie die Zeitung es darstellt - eher Werbung für seine Schauspielkurse, die er in Riga anbietet. Und auch im Interview deutet Āboliņš einiges an, das ihm in Deutschland offenbar besser gefällt als im heimischen Riga. "Bei uns kannst Du abends mit der Straßenbahn nirgendwo mehr hinkommen. Das bedeutet: die Gäste sind nach der Aufführung so schnell es geht verschwunden, auch die Schauspieler. In Deutschland aber sitzen wir noch zusammen, auch im Kollegenkreis, und diskutieren dies oder jenes. Und allen Angestellten am Theater wird noch ein vernüftiges Essen geboten." - Auch Fahrradtouren unternimmt der lettische Gastschauspieler offenbar gern in München.

Wieder einmal gilt: Meinungsfreiheit ist meist die Freiheit des Andersdenkenden. Und Meinungsfreiheit in Lettland bedeutet sicher nicht, wenn hemmungslos über Schwule und Lesben, Russen, Flüchtlinge und Muslime hergezogen werden kann - es wird lange dauern, bis Lettinnen oder Letten wagen bei solchen Äußerungen offen zu widersprechen.

Vielleicht muss das Āboliņš-Interview auch unter ganz anderen - lettisch innenpolitischen - Gesichtspunkten gesehen werden. Als 2015 sein Engagement in München bekannt wurde, fragte die lettische Presse: "Geht Āboliņš nun ins Ausland?" - Und das in einer Atmosphäre, wo jeder der grundlos weggeht beinahe als "Vaterlandsverräter" gilt, wenn man sich mal die regierungsamtlichen Stellungnahmen und das ansieht, was "vox populi" so im Internet äußert. Das Lettische im Ausland bewahren, und zurückkehren wenn es eben geht, das gilt als Maßstab für die "echten Letten".
Nun also der Rückzieher. Die Betonung nur "zu Gast in Deutschland" zu sein, und "sich nicht in alle Dinge einmischen zu wollen, da das die Deutschen selbst entscheiden müssen." Auch die Hinweise darauf, der angenommenen lettischen Mehrheitsmeinung eben näher zu sein als der deutschen. Schließlich bemühen sich die lettischen Behörden inzwischen, jedem rückkehrwilligen Letten (Lettin) umfangreiche Unterstützung zu geben. Das lettische Außenministerium schätzt, dass 370.000 Lettinnen und Letten inzwischen im Ausland leben. Also gilt: "Viss normāli Latvijā" - alles wie immer, zu Hause in Lettland.

15. März 2018

Eine der größten Sammlungen lettischen Kunst vor dem Aus?

Eigentlich sollte das neue lettische Museum für Gegenwartskunst längst fertig sein (Laikmetīgās mākslas muzeja LMM); Planungen gibt es seit über 10 Jahren, momentan gibt es Träume es Ende 2021 eröffnen zu können. Eine Stiftung (Latvijas Laikmetīgās mākslas muzeja fonds) sollte im Zusammenspiel mit dem lettischen Kulturministerium den Bau aus weitgehend privaten Mitteln sicherstellen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 hat die Stiftung, eigenen Angaben zufolge, bereits 741.243 Euro an Mitteln für 90 andere Projekte moderner Kunst zur Verfügung gestellt (ablv).

Stadtentwicklungsträume

Das ambitionierte Bauprojekt versteht sich auch als Aufwertung eines neuen Stadtteils: eigentlich ist es "Skanste" - bisher eine Mischung aus Hafenrand, Stadtrand und Ausfallstraßen. Die Planer nennen das Gebiet zwischen Hanzas iela, Pulkveža Brieža iela, Skanstes iela und Sporta iela inzwischen lieber "Neue Hansa City".

"Das verbessern, was nicht kaputt ist" - Motto eines
ABLV-Symposiums im Jahr 2016 - das aus heutiger Sicht
nicht gerade optimistisch klingt 
Es gibt noch einen weiteren Akteur: die "Boris and Ināra Teterev Foundation", von einem Unternehmerehepaar gegründet und mit einer Repräsentantin, von der man annehmen könnte, sie habe alle Phasen der modernen lettischen Kunst fast selbst geprägt:  Kunstkritikerin, Kuratorin und Ex-Kulturministerin Helēna Demakova.

Gesammelte Kunst - nun ohne Heimat?

Nun aber plötzlich der aktuelle Skandal um die lettische ABLV-Bank. Zunächst kamen die Anschuldigungen, über diese Bank seien Geldwäsche-Geschäfte gelaufen, unter anderem mit Bezug zu Nordkorea, dann kamen Korruptionsvorwürfe dazu. Die Europäische Zentralbank gab die Bank auf, schließlich beschloss sie die Selbstauflösung. Inmitten des ganzen Hin- und Her, auch die Diskussionen um den Zustand anderer lettischer Banken - eines ist inzwischen klar: in Kürze wird es diese Bank nicht mehr geben. Neben 971 Bankangestellten bleibt auch für über 1200 Kunstwerke eine unsichere Zukunft.

Ex-Ministerin Demakova hatte 2009 ihr Amt aufgeben müssen, als die große Wirtschaftskrise losbrach. Damals konnte zwar der Neubau der Nationalbibliothek gerade noch angestossen werden, aber zwei weitere Großprojekte, der Bau eines neuen Konzertsaals, und eben die für das LMM wurden vorläufig gestoppt.
Da schien das bereits 2005 geschlossene Abkommen mit der ABLV-Bank (gegründet 1993 als "Aizkraukles-Bank") ein geradezu idealer Rettungsanker sein: die Bank versprach im Laufe von 10 Jahren 1 Million Lat (0,7 Mill. Euro) zum Aufbau einer entsprechenden Kunstsammlung zur Verfügung zu stellen. Dem entsprechend wurde seitdem ein großer Teil der bisherigen Planungen zu einem Lettischen Museum für Moderne Kunst eben durch die ABLV-Bank gestützt: große Kunst-Symposien, internationale Konferenzen, sogar die Möglichkkeit eines virtuellen Vorab-Rundgangs in einer zukünftigen Ausstellung wurde geschaffen, um die Idee anschaulicher zu machen.  Und es wurden Kunstgewerke aufgekauft und gesichert, um sie später im neuen Museum zugänglich machen zu können.

Ein Bild aus dem Jahr 2014: Unternehmer und die
ABLV-Bank versprechen alles selbst zu zahlen - da
strahlt auch Kulturministerin Melbarde (links)
Wie die Redaktion der lettischen Fernsehsendung “Kultūršoks" jetzt herausfand, wäre es völlig unklar, was mit der Bildersammlung im Falle eines Bankrotts der Bank (der so gut wie feststeht) geschieht. Etwa 400 Arbeiten sollen im Besitz des Kulturministeriums sein, Wert: 5,87 Mill. Euro. Weitere 1200 Werke für insgesamt 830.000 Euro sollen sich im Besitz der ABLV-Stiftung befinden. Die meisten der Künstlerinnen und Künstler, die Werke an die Bank verkauft haben, taten das in dem festen Glauben, damit die Sammlung des Museums zu bereichern.

Das Abkommen mit der ABLV-Bank wurde 2014 dahingehend geändert, dass nun der Museumsneubau komplett aus privaten Mitteln erfolgen solle - und nicht etwa aus Mitteln des Staates oder der Stadt Riga. Aber einer der Paragraphen sagt es klar: kein Museumsbau, keine Kunstwerke. Niemand würde es verhindern können, wenn jetzt die Kunstwerke im Sinne der Gläubiger der Bank verkauft würden.Jedenfalls ist der Bau eines Museums für Moderne Kunst in Riga derzeit unsicherer denn je.

11. März 2018

Lettische Literatur in deutscher Übersetzung - eine Leerstelle

Lettische Literatur - lost in the rain?
Wer aktuelle lettische Literatur in deutscher Übersetzung sucht, der sucht gegenwärtig lange - da wird vermutlich auch auf den kommenden Literaturmessen in Deutschland wenig präsentiert werden.
Es beginnt schon bei der Suche nach Verantwortlichen: das lettische Literaturzentrum (Latvijas Literatūras centrs - LLC), 2002 gegründet, aber weitgehend vom finanziellen Wohlwollen des lettischen Kulturministeriums abhängig; es existiert nur noch virtuell im Internet - Anfang 2016 beschloss die Mitgliederversammlung das LLC aufzulösen, die vom LLC herausgegebene Literaturzeitschrift "Latvju teksti" wurde im gleichen Jahr eingestellt (lsm). Dem LLC wurde vorgeworfen, mehrere 10.000 Euro nicht korrekt abgerechnet zu haben.

Drei verschiedene Organisationen sollten nun die Aufgaben des bisherigen LCC übernehmen, hieß es (lsm): das "Internationale Schriftsteller- und Übersetzerhaus ("Starptautiskā Rakstnieku un tulkotāju māja") in Ventspils, der Lettische Verlegerverband (Latvijas Grāmatizdevēju asociācija LGA), und der lettische Schriftstellerverband (Latvijas Rakstnieku savienība).

Lettische Übersetzungsförderung,visuell erklärt
Auf diesen drei frisch neu gestalteten Webseiten läßt sich nun allerlei hübsch-gestaltete Info finden - aber sind deutschsprachige Übersetzungen dort zu finden? Fangen wir mal bei der Schriftstellervereinigung an. Das hier zusammengestellte ist wohl eher fürs "Heimatpublikum" gedacht: hübsche optische Effekte, ein bischen Basisinformation über verschiedene Schriftsteller/innen - aber bei den Übersetzungen findet sich bisher nur Leerstellen. Weder bei Dace Rukšāne ist ihr "Warum hast Du geweint" (Buch von 2002, deutsch übersetzt 2007) zu finden, ebenso kein Hinweis bei Gundega Repše auf ihr "Unsichtbare Schatten" (Buch von 1996, Übersetzung 1998), und auch totale Fehlstelle bei Laima Muktupāvela (seit 2012 Laima Kota), deren Buch "Das Champignonvermächtnis" (Buch von 2002, Übersetzung von 2008) schon einmal viel Aufsehen erregte. Hier liegt der Schwerpunkt offenbar nicht auf Informationen für Nicht-Lettischsprachige. Da passt es ins Bild, dass sogar der Menüpunkt "Support for Translators" nur auf eine lettischsprachige Seite führt - und dort finden sich fünf Projekte für 2016: eins Italienisch, eins Norwegisch, eins Spanisch, eins Kroatisch, und eins Russisch. In der neuesten Liste für 2018 findet sich in der langen Reihe der Projekte sogar nur ein einziges deutschsprachiges.

Die Seite "Latvianliterature.lv" hat noch Hinweise auf immerhin 7 Büchern in deutscher Sprache (davon drei aus der Schweiz und Österreich) zusammenkratzen können: zum Kinderbuch "Die wilden Piroggenpiraten" (im Fischer-Verlag seit 2012), die Neuauflage der "Untiefen des Verrats" von Amanda Aizpuriete (erstmals erschienen deutsch 1993, 2017 in der Schweiz neu aufgelegt), das Projekt "Werde zum Gespenst - Gedichte aus Lettland", erschienen 2016 im Verlag Wunderhorn, und auch die Lebenserinnerungen der kürzlich leider verstorbenen Valentina Freimane "Jensseits von Atlantis" (seit 2015 im Wallstein-Verlag - die Autorin schrieb selbst auch in Deutsch). Auch der zweisprachige Band von Knuts Skujenieks "Samen im Schnee" ist hier zu finden (2016 bei Wieser in Österreich erschienen), dann noch Alise Tīfentāle "Im Sog von Riga" (erschienen bei "Baltart" in der Schweiz), und auch noch "Worüber schweigen Freunde", erschienen schon 2012 in der Edition Bodoni. 

Wie sieht es auf Seiten der Verleger aus? Auch bei der LGA finden sich keine fremdsprachlichen Informationen. Im lettischen Teil gibt es zwar eine "Bücher-Datenbank" ("Grāmatu datu bāze"), die aber wohl eher die aktuell im Handel befindlichen Neuerscheinungen der hier versammelten Verlage umfasst, als irgendwelche Übersetzungen. Unter "Wir über uns" verkündet die LGA stolz die Teilnahme auf Buchmessen in "Leipzig, Jerusalem, Warschau, Madrid, Moskau" - sicher eine bunte Zusammenstellung für schöne Geschäftsreisen.

Und das Schriftstellerhaus in Ventspils? Zwar wird eine Menüführung in gleich fünf Sprachen angeboten - in Deutsch kommt man schnell entweder zu einer Email-Adresse für ""weitere Fragen", oder einem Antragsformular für einen einmonatigen Aufenthalt in Ventspils. Detail-Informationen, auch Statistiken über die vergangene Arbeit gibts nur in Lettisch. Wer tief ins Lettische eintaucht findet beim Blick auf die Liste der Literat/innen, die sich gern einen Aufenthalt an der lettischen Ostsee bezahlen lassen, überraschend viel Deutsches: im Archiv zähle ich ganze 63 "Stipendiat/innen" aus Deutschland, darunter auch für 2018 mit Christiane Bauermeister und Franziska Zwerg schon zwei. Ich gönne allen 63 Kreativen selbstverständlich das schöne Ventspils - aber irgendwie nutzen diese Aufenthalte offenbar nicht Übersetzungen aus dem Lettischen. Manja Präkels immerhin schreibt über ihre Eindrücke in Lettland.

Lettischer Übersetzer-Arbeitsplan:
vorerst weitgehend Englisch
Weiter geht die Suche. Die lettische Tagespresse (Diena) berichtet von 43 Übersetzungsprojekten mit finanzieller Unterstützung für 2018: 22 davon englisch, des weiteren albanisch, koreanisch, belorussisch, estnisch, spanisch, ungarisch, italienisch, armenisch, ukrainisch, kroatisch, mazedonisch, arabisch und finnisch. Die Seite "LV100" feiert diese Anzahl sogar als "rekordhoch". Deutsch? Offenbar kein einziges. Lettische Literatur, von deutschen Verleger/innen ignoriert? Oder erst wahrgenommen, wenn die Werke auf dem englischen Markt Erfolg haben? Moment, fast übersehen: in einer zweiten Liste der aktuellen Projekte findet sich ein Gedichtband von Liene Langa, der offenbar im Wallstein-Verlag erscheinen soll (2500 Euro Unterstützung, ich hoffe das Buch erscheint dann auch bald).

Mehr kann eine Bestandsaufnahme im Moment wohl nicht bieten. Können wir den Manager/innen der lettischen Literatur, ganz zu schweigen von den Schreiber/innen, einen Vorwurf daraus machen, dass für sie offenbar der deutsche Markt völlig unwichtig ist? Und das - nur um es nicht zu vergessen - wo bei der kommenden Buchmesse London auch Litauen und Estland dabei sind - in den beiden Nachbarländern fehlt es an Übersetzungen ins Deutsche keinesfalls.
Wer auf den bevorstehenden Buchmessen in Deutschland Lettisches sucht, sollte nicht allzu überrascht oder schockiert sein NICHTS DEUTSCHSPRACHIGES aktuell zu finden. 

14. Februar 2018

Philosoph mit Kamera

Man konnte ihn manchmal auf den Straßen Rigas herumspazieren sehen, denn "Altriga" (Vecrīga) war eines seiner Themen, im Fokus einer Langzeitbeobachtung: von 1969 bis 2007. Ein weiteres seiner Projekte hieß "Dzīve kā realitāte" (Leben als Realität), 530 Fotos aus den Jahren 1971 bis 2013. Oder zum Beispiel: "Lidojums" (der Flug) mit Ansichten Lettlands aus der Vogelperspektive.

Ich habe Vilhelms Mihailovskis, geboren 1942 in Kostjantyniwka, einem Gebiet der heutigen Ost-Ukraine, Sohn eines Polen und einer Russin, als äußerlich ruhigen, bedächtigen, gelassenen Menschen kennengelernt. So wie jemand, der genau hinschaut, ein "fotografischer Blick" eben, auf Details gerichtet und besondere Situationen. Nach dem Armeedienst und einem Studium an der Technischen Hochschule nutze er die Möglichkeiten seiner Heimatstadt, einem Zentrum der glasverarbeitenden Industrie, und kam so auch zu "Latvjas Stikls" nach Riga. Seit 1969 ist Mihailovskis als Fotograf in Lettland aktiv.

Seine Auszeichnungen und Preise als Fotograf aufzuzählen ist müßig - vielleicht zeugen sie davon, dass er vielleicht international mehr Anerkennung hatte als in im "neuen Lettland" nach 1990. Zwar war die Bewunderung für seine Fotos ungeteilt, aber er war kein Teil der "etablierten" lettischen Kulturelite, die sich nach 1990 so gern die Aufträge gegenseitig zuschob - die schöne lettische Bezeichnung vom "Brīvmākslinieks" (freier Künstler) trifft auf ihn absolut zu. Aber er war auch keiner von denen, die ihr Russisch-Sein vor sich hertragen; er war integriert im modernen Lettland, kann man wohl sagen. Fotografien von ihm finden sich sowohl im lettischen Fotografie-Museum, im Kinomuseum, wie auch im Museum für Geschichte.
Die lettische Dichterlegende Ojārs Vācietis,
fotografiert von Vilhelms Mihailovskis
Die Stadt Riga verlieh Mihailovkis 2007 einen Preis für seine vielen außerordentlichen Fotografien von bekannten Persönlichkeiten der Stadt. Insgesamt erlebte Mihailovskis über 50 Ausstellungen seiner Werke, 11 Bücher mit seinen Fotos wurden produziert.

Ebenfalls sehr besonders seine Fotoserie “Manas 365 dienas” (meine 365 Tage): ganz besondere Tage, im Jahr 1999, als Abschied vom alten Jahrtausend, jeden Tag ein neues Foto. Die Tageszeitung DIENA formuliert es so: "Das Leben von Vilhelms Mihailovskis war wirklich groß, sowohl was seine Leistungen angeht, wie auch seine Geistesgröße. Gott gab ein Talent für die Fotokunst, und eines für die Lebensweisheit. Nun hat Gott den Menschen zurückgenommen - den wir immer schon als Bestandteil Lettlands höchster Kulturlandschaft gesehen haben." Vilhelms Mihailovskis starb am 23. Januar 2018 in Riga.

Webseite Vilhelms Mihailovskis --- Worldpressphoto --- Russen in Lettland --- Photoisland (russ.) --- Fotomuseum Riga --- fold.lv --- youtube (russ.)

12. Februar 2018

Das gewaltlose Gespenst aus Europa

Die Furcht vor einem "Gespenst", das in Europa umgeht - ein Zitat aus dem Kommunistischen Manifest. Die Angst, die in der lettischen Politik momentan in ähnlicher Weise mobilisiert wird, dreht sich um die "Konvention von Stambul" (wörtlich übersetzt) - allerdings sehen es einige lettische Politiker genau anders herum wie der ehemalige Wahlspruch der Kommunisten: es haben sich nicht etwa alle Mächtigen in Europa verbündet, um dieses Gespenst zu vertreiben, sondern Europa habe sich gegen Lettland verbündet, um gespenstisches dort einzuführen. Wie kann das sein?

Es geht hier um eine vertragliche Vereinbarung des Europarats, die 2011 ausgearbeitet, beschlossen und am 1. August 2014 in Kraft trat - die sogenannte "Istambulkonvention" (wie so oft benannt nach dem Ort der Unterzeichnung). Geschaffen werden sollten verbindliche Rechtsnormen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt. Deutschland hat diese Regelung bereits ratifiziert, am 1. Februar 2018 trat sie in Kraft. Damit haben den Beschluß bisher 25 Staaten in die Praxis umgesetzt - für Lettland unterzeichnete 2016 Sozialminister Jānis Reirs.

In Lettland ist aber noch die Bestätigung durch das lettischen Parlament, der Saeima, vorgesehen. Schon 2016 hatte das lettische Justizministerium Einwände geäussert - während Sozialminister Reirs zentrale Fragen der Konvention durch eine eigene Webseite zu begegnen versucht. 30% aller Frauen in Lettland müssen, neuesten Untersuchungen zufolge, Gewalt innerhalb der Familie erleiden, ebenso 30% aller Kinder - eine der höchsten Zahlen in der gesamten EU. Jedes Jahr werden in Lettland (im Durchschnitt) 5 (Ehe-)frauen durch ihre männlichen Partner getötet (im Jahr 2016 sogar 17!), mehr als 100 weitere erleiden Verletzungen. In Lettland fehle es vor allem an Maßnahmen, Opfer zu schützen und Täter von Opfern nachhaltig fernzuhalten, so Minister Reirs.

Auch die gegenteilige Meinung - gegen die Ratifizierung - ist in der gegenwärtigen lettischen Regierung ministerial vertreten. "Eine Ratifizierung widerspricht der lettischen Verfassung", so vertritt es der nationalkonservative Dzintars Rasnačs. Der Staat müsse seine Aktivitäten "gegen Gewaltanwendung" fortführen - "unabhängig davon, ob internationale Vereinbarungen unterschrieben oder nicht unterschrieben werden", so der Minister.

Die Gegner zitieren vor allem die lettische Verfassung. Sie vertreten die Meinung, dort sei das Recht zur Erziehung der Kinder den Eltern in die Hände gelegt - ein in Lettland heiß diskutiertes Thema, seitdem in der Presse von Fällen zu lesen war, dass in Norwegen oder Schweden sich lettische Eltern, die dort leben und arbeiten, auch den Gesetzen des Gastlandes unterwerfen müssen. Erstaunlich aktiv auch wieder die "radikalchristlichen" Gruppierungen: eine Unterzeichnung der Konvention untergrabe die "Werte der traditionellen Familie", so eine Vereinigung christlicher Lehrer (Latvijas Kristīgo skolotāju asociācija), die unter anderem lieber traditonelle lettische Märchen wie "Kaķīša dzirnava" ("Die Katzenmühle", Kārlis Skalbe) zur Wertevermittlung verwendet sehen möchte. Auch die mitregierende Fraktion der "Grünen und Bauern" lehnten, nach einer Konsultation des katholischen Bischof Zbigņevs Stankevičs, eine Ratifizierung ab. Damit bleibt die Fraktion der "Vienotība”, der auch Minister Reirs angehört, die einzige Parlamentsfraktion die sich für die Ratifikation ausgesprochen hat. Auch die lettische evang.-lutherische Kirche, die Baptisten, Katholiken wie auch orthodoxen Rechtgläubigen hatten schon 2016 in einer gemeinsamen Stellungnahme sich gegen die Konvention ausgesprochen - und gleichzeitig beklagt, die Politik solle sich lieber auf den Kampf gegen Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Pornographie kümmern.

Doch auch bei Kirchenvertretern gibt es Minderheitsmeinungen. In einer getrennten Stellungnahme bestreiten die Unterzeichner, dass die kirchlichen Spitzen wirklich die Mehrheit der Gläubigen vertreten. Zu den Unterzeichnern gehört die lettische anglikanische Kirche, die Ev.Luth.Kirche außerhalb Lettlands (Latvijas Evaņģēliski luteriskās baznīcas ārpus Latvija), Vertreter der Theologischen Fakultät an der Universität Lettlands, das Frauenzentrum MARTA, und einige bekannte Namen aus dem lettischen Kulturleben. (lsm)
 
Solidarität pro
"Istambul-Konvention"
in Litauen
In Estland erzeugte der Prozess der Ratifizierung zwar bei einigen Oppositionsparteien ähnliche Vorbehalte wie in Lettland, Präsidentin Kaljulaid brachte das aber durch die Unterzeichnung des Abkommens im September 2017 zum Abschluß. In Litauen fand im Juni 2017 eine Fachkonferenz zur Ratifizierung der Istambul-Konvention statt, ähnlich wie in Lettland gibt es noch keine Entscheidung.

Auffällig ist in Lettland in jedem Fall, mit welcher Intensität in Lettland radikalkonservative Gruppen unterschiedlichen Hintergrunds jegliche Neuerungen bekämpfen, die - wie sie behaupten - von Europa "Lettland aufgezwungen werden". Oder, krasser ausgedrückt: "Der Versuch der Pädophilen die Gesellschaft zu verderben" (infoagentura). Die Gegener wenden sich gegen eine Reihe von allgemeinen Bestimmungen im Konventionstext, wie zum Beispiel dem §11, wo es heißt: "Die Vertragsparteien treffen die erforderlichen Maßnahmen, um Veränderungen von sozialen und kulturellen Verhaltensmustern von Frauen und Männern mit dem Ziel zu bewirken, Vorurteile, Bräuche, Traditionen und alle sonstigen Vorgehensweisen, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit der Frau oder auf Rollenzuweisungen für Frauen und Männer beruhen, zu beseitigen."

Verhaltensmuster und stereotype Vorstellungen ändern? Auf keinen Fall, denn wer weiß was danach kommt - von diesen Ängsten sind viele Traditionalisten in Lettland nicht abzubringen. Auch ins Reich der "alternativen Fakten" wird hier vorgedrungen: "in 40% aller Gewalttaten in Großbritannien sind die Opfer Männer!" (infoagentura). Vielleicht haben die Autoren auch eher Angst davor, Gewalt gegen Schwule und Lesben könne in Lettland bald auch in gleichem Maße geahndet werden - die Rede ist auch von "Gender-Ideologie". - Ein anderes Argument ist die Festlegung "besonders gefährdeter Gruppen" im Konventionstext. Die Gegner drehen den Sinn auf den Kopf: "eine Frau, die weder schwanger ist, keine kleinen Kinder hat, keine Lesbe oder Prostituierte ist, wird dann weniger geschützt - das darf nicht sein!"

"Was wollen die Gegner der Instanbul-Konvention eigentlich?" Das fragt sich nicht nur der lettische Menschenrechtskommissar des Europarats Nils Muižnieks, dessen sechsjährige Amtszeit ausläuft (seine Nachfolgerin wird Dunja Mijatovic aus Bosnien / Herzegowina sein). Behauptungen, die Konvention führe zu gleichgeschlechtlichen Ehen bezeichnet er als "pure Desinformation" (lsm). Das lettischen Frauenzentrum MARTA versucht mit einem Sachbericht zu den Erfahrungen betroffener Frauen zur Diskussion beizutragen: Interviews mit 120 Frauen, russischen wie lettischsprachigen, die teilweise bis zu 20 Jahre lang Gewalt in der Ehe erfahren mussten. Dazu passen Umfragen, denen zufolge 15,8% der Bevölkerung in Lettland sogar Gewalt gegen Frauen als gerechtfertigt ansieht.

Aber gerade die "virtuelle" Diskussion scheinen Sachargumente aber nur noch wenig zu erreichen. Die Tageszeitung DIENA bezeichnet das Thema inzwischen als "karstais kartupelis" ("heiße Kartoffel"). Wortführer von Angstkampagnen gegen angeblichen "Werteverlust" bekommen gerade im Internet viel Zustimmung.

Die Hitzigkeit der Diskussion, auch der teilweise deutlich spürbare Hass gegen Andersdenkende (z.b. "wahre Christen" gegen "Pseudochristen") bleibt vorerst eher besorgniserregend. Am 19. Januar wurde eine Gesetzesvorlage des Sozialministeriums von der Tagesordnung des Regierungskabinetts wieder abgesetzt.

20. Januar 2018

Himmelsgrüße gesucht

Der Nachmittag des 29. März 1890 war ein ruhig und sonnig, heißt es. Aber plötzlich, so erinnern sich vor allem die Bauern, die nahe des Ortes Baldone in Lettland vielleicht schon den Frühling erwarteten, gab es einen lauten Donnerschlag. Kurz darauf ein lautes Heulen und Krachen, dann erst helle und dann dunklere Wölkchen. Ein Moment später dann ein noch lauteres und längeres Donnern. Zunächst hatte keiner eine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Kurze Zeit später wurde es klar: in der Nähe war ein Meteorit niedergegangen. Einer der Bauern fand ihn einen Tag später. Ein Objekt in der Größe eines menschlichen Kopfes, so sagte man damals, und einem Gewicht von 5,8 kg. Bald zeigten sich verschiedene Interessen am heute unter der Bezeichnung "Baldone-Meteorit" (oder deutsch "Misshof-Meteorit") bekannten Fundstück.

Während die Bauern das Objekt am liebsten zerteilt hätten, und das Fundstück tatsächlich auch sehr schnell an einen jüdischen Händler verkauften, gelang es dann einem Schuldirektor aus Riga, der gezielt überall fragte, das seltene Stück von diesem Händler zu erwerben. Diese Einzelheiten der damaligen Vorgänge sind einem Bericht des deutschbaltischen Forscher Karl Bruno Doss zu verdanken ("Naturforscher-Verein zu Riga, 9.Folge, 7.Heft", 1891). Die Fundstelle gehörte damals zum "Rittergut Misshof", aber berichtet hatten zunächst nur lettische Zeitungen von dem Ereignis, daher brauchte es eine Weile, bis alle damaligen Fachleute davon erfuhren. Das Objekt war auch nicht sofort, sondern erst einen Tag später geborgen worden.

Nach heutiger Betrachtungsweise wurden bisher ingesamt 4 Meteoritenabstürze auf lettischem Gebiet notiert - allesamt im 19. Jahrhundert. Da war zunächst der sogenannte "Līksna Meteorit" (inernationale Schreibweise: "Lixna"), der zusammen mit mehreren anderen Stücken am 12. Juli 1820 bei Lazdāni im Südosten Lettland niederging; dieses Stück war immerhin 16kg schwer. Der nächste Vorfall wurde am 2. Juni 1863 bei Birži notiert, ein 5kg-Stück. Und am 12. April 1864 wurden nahe Nereta in Südlettland gleich 2 Stücke gefunden, 4kg und 5kg schwer.

Abbildung aus Doss/Johanson:
"Der Meteorit von Misshof"
(Riga 1891)
Der Deutschbalte Doss ordnete den Fund damals anders ein: an die 7.Stelle der Funde innerhalb der damaligen "russischen Ostseeprovinzen". Er zählt zwei Funde aus dem Jahr 1855 dazu (einer auf Saaremaa /Ösel, einer bei Valka / Walk), sowie einen Fund bei Põltsamaa/ Oberpahlen von 1863, und einen weiteren auf dem Jahr 1872 bei Paide/ Weissenstein. Außerdem zitiert Doss den Bericht eines Naturforschers aus dem Jahr 1704, aus dem er den Niedergang von Meteoriten bei Tartu/ Dorpat schließt (allerdings war kein Fundstück erhalten).

Doss spaltete von seinem Untersuchungsgegenstand kleine Stücke ab, um sie Sammlern und Spezialisten in St.Petersburg, Wien, Tartu und anderen Städten zu schicken. Als Hauptbestandteil seines Objekts stellte er Olivin fest, was einem häufigen Charakteristikum von Meteoriten entspricht (die chemischen Untersuchungen nahm Edwin Johanson vor). - Heute behauptet das Museum von Baldone noch im Besitz eines kleinen Stückes dieses Fundes von 1890 zu sein (Baldones ziņas).

Was hier vielleicht auf den ersten Blick wie ein
Treffen im Hinterhof aussieht, ist tatsächlich ein
Schnappschuß von der Eröffnung des
"Kleinen Meteorit-Museums" in Riga (Foto: "delfi.lv")
Anerkannt ist aber, dass sich zwei kleine Stückchen dieses "lettischen Meteoriten", eines 25,5 g, das andere 10,9 g schwer, sich im "Friedrich-Zander-Museum" an der Universität Riga befinden (siehe Friederich Arturowitsch Zander, ein Raketenpionier). Dadurch dass Fundstücke international untereinander ausgetauscht werden, ist von den vier Fundobjekten in Lettland inzwischen leider fast nichts mehr vorhanden - aber irgendwo in Museen oder Privatkollektionen sollte es sie doch geben! Das Ziel, Lettlands Meteoriten wieder in Lettland zeigen zu können, hat sich Kārlis Bērziņš gesteckt. Er gründete das Projekt "Meteoriti.lv" und bietet nun Interessenten in der Nīcgales ielā 3 seit drei Jahren in Riga sein "Kleines Meteoriten-Museum" (bei telefonischer Voranmeldung) an. Außer Meteorit-Stückchen aus aller Welt gibt es hier auch zwei Neuerwerbungen zu sehen: ein Bruchstück vom Baldone-Meteorit, und sogar eines vom Līksna-Meteorit: 0,63 g, frisch erworben in Zusammenarbeit mit der "New England Meteoritical Services" (NEMS) in den USA. Nun wird nach Finanzmitteln gesucht, um auch vom Nereta-Meteorit (internationale Bezeichnung: "Nerft") ein 25-g-Stückchen "heim nach Lettland" zu holen; ein Angebot liegt vor: Kaufpreis etwa 8000 Euro. Tja, was vom Himmel kommt, ist teuer - erst recht wenn es erstmal in den kapitalistischen Kreislauf eingespeist ist, mögen vielleicht einige denken. Vielleicht ist es aber auch ein Thema, dass sich Lettinnen und Letten erst wieder neu erschließen müssen. Wer Stücke von "lettischen" Meteoriten anzubieten hätte - Verkäufer, vielleicht auch Spender - würde die Rigaer Museumsenthusiasten wahrscheinlich glücklich machen.

15. Januar 2018

Untergrund-Bewegung

Pläne für ein U-bahn Netz für Riga - beerdigt
zusammen mit dem Sowjetsystem
Rīgas metro - das war das Stichwort in den 1980iger Jahren, als die lettische Unabhängigkeitsbewegung auch mit Umweltthemen punkten konnte. Nun kommt es vielleicht erneut auf die politische Tagesordnung.

Wenn es nach den Sowjetbehörden gegangen wäre, war in den 1980iger Jahren eigentlich alles schon in Planung: drei Ubahn-Linien sollten es werden, 33 Haltestationen. Zielsetzung war damals, jede sowjetische Millionenstadt solle eine U-bahn bekommen - zwar hatte Riga diese Einwohnerzahl noch nicht erreicht, aber der prozentuale Anteil von Nutzern des Öffentichen Personennahverkehrs (ÖPNV) war sehr hoch. Das Moskauer Institut "Metrogiprotrans" übernahm die Planungen, und schon 1981 waren die ersten Pläne fertig. Schließlich wurde dann der Baubeginn auf 1990 festgesetzt.

eine der Planzeichnungen der 1980iger Jahre
Das Projekt - unter Planern auch gern "metropolitēns" genannt, war eines der heißen Themen der Protestbewegung der 1980iger Jahre: einerseits wäre es mit geschätzten 25 Millionen Rubel pro km das teuerste Ubahn-Projekt der gesamten Sowjetunion geworden, andererseits beförderte es die lettischen Ängste zu "Fremden im eigenen Land" zu werden, denn für dieses Großprojekt wären erneut Tausende von Arbeitern aus anderen Sowjetstaaten herangezogen worden.
Wie eine Information der Stadt Riga besagt, existieren bis heute noch einige der zwischen 1979 und 1988 im Rahmen von Voruntersuchungen für den U-Bahnbau angelegten 100 Löcher für Probebohrungen (Löcher von 10-20cm Durchmesser).

Eines der Hauptargumente der Gegner war auch die Sorge um die Fundamente der Altstadt und der historischen Gebäude: hoher Grundwasserstand und viel instabiler Untergrund. Journalistin und Politikwissenschaftlerin Oksana Antoņenko bedauert es zwei Jahrzehnte später, dass leider die "Metro" nicht verwirklicht wurde. Weder der Grundwasserstand sei ein starkes Gegenargument (auch in St.Petersburg herrschen ähnliche Verhältnisse), noch die damals ebenfalls zu vernehmende Ansicht, eine U-bahn sei eine "veraltete Technik". 1988 richtete der lettische "Umweltschutzklub" (Vides Aizsarbzības Klubs - VAK) große Anti-Metro-Demonstrationen aus, die wegen Beschränkungen in der Innenstadt den Park Arkādija als Versammlungsort hatten. Ermutigt wurden die Aktivisten auch durch den Beschluß der sowjetelettischen Behörden vom November 1987, die weitere Aufstauung der Daugava zu beenden - und somit das obere Daugavatal unverändert zu belassen. Der Spruch "Das System hat immer Recht" stand nicht mehr unwidersprochen, und viele fassten Mut für ihre Meinung auf öffentlich einzustehen.

"Die meisten bauten damals auf eine Welle des Patriotismus, weniger auf Sachverstand", so sieht es Oksana Antoņenko. "Die Metro-Gegner haben damals allen Fachleuten aus Moskau die Kompetenz abgestritten. Nach den Anti-Metro-Protesten wurde beschlossen, nur noch einheimische Fachleute aus Lettland einzusetzen - die aber keine Erfahrung mit ähnlichen Projekten hatten. Von diesen hieß es dann kurz danach, der U-bahnbau sei sowohl wirtschaftlich wie technisch sinnlos. Das Ende von 12 Jahren Planungen."

Bisher hat sich die Mehrzahl lettischer Fachleute immer gegen den Bau eines U-Bahn-Systems ausgesprochen, so auch die Geologen Atis Mūrnieks und Sigita Dišlere 2015 in einer Radiosendung (lsm). "Langfristig wird ein U-bahnbau aber die einzig angemessene Lösung sein, bekannte jetzt Viesturs Veckalns, Wissenschaftler an der Technischen Universität Riga (TU) (delfi / skaties). "Um einmal Riga zu durchqueren, braucht man heute 1 1/2 Stunden. Das heißt, dass viele jeden Tag 3 Stunden dafür benötigen." Als Student verbrachte Veckalns einige Zeit in Lissabon, um nun Vergleiche der Transportwege anstellen zu können. Die Baukosten schätzt er auf 200 Millionen Euro pro km ein. Würde es nach den alten Plänen gebaut, wären es in Riga knapp 9 U-Bahn-Kilometer. Und die Kritiker? "Das historische Stadtzentrum steht doch jetzt unter Denkmalschutz," meint Veckalns, und ein U-Bahnbau könnte die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen, und das Leben in Riga angenehmer machen. Innerhalb der folgenden 20 Jahre könnten sich auch die Kosten amortisieren."

Allein die Tatsache, dass es auf dem beliebten Internetportal "Manabalss" ("Meine Stimme") jetzt eine Unterschriftenliste PRO U-BAHN gibt, erzeugte jetzt wieder einiges öffentliches Aufsehen. "In Zeiten, wo die Qualität der Straßen immer schlechter wird, und die Zahlungen der Neuzulassungen bei Autos bereits eine Million überschritten haben, ist es an der Zeit über neue Verkehrslösungen für die Zukunft nachzudenken" - so die einleitenden Worte einer Iniatiative namens "Progresa Platforma" ("Fortschritts-Plattform"). Diese bezeichnet sich als "politische Organisation, die junge, gut ausgebildete Menschen vereinigt, die sich für individuele Freiheit und Menschenrechte einsetzen und außerhalb des gewöhnlichen Rahmens denken wollen." Die Initiative setze sich sowohl für eine nachhaltige Entwicklung in Lettland ein, wie für Umweltschutz und erneuerbare Energien.

Zwei Namen stehen bisher für diese Unterschriftenaktion: Filips Kapustins und Edgars Gapoņenko. Von ersterem ist immerhin bekannt, dass er mal Mitglied bei der Jugend in der "Grünen Partei" ("Zaļa Partija") war. Also nur "Provokationen in der Vorwahlzeit", wie einige Internet-Kommentare es einschätzen? Viele zweifeln aber auch an einer ausreichenden Zahl interessierter Kunden für eine U-Bahn - wo die Einwohnerzahl Rigas inzwischen auf 650.000 gesunken ist.
Allerdings sind es bisher auch nicht mehr als 190 Unterstützer eines Metro-Revival bei "Manabalss" - trotz einiger offenbar sehr reger Aktivisten vielleicht nicht genug, um das Thema in der Diskussion zu halten. .